SUCHT sucht Ganzheit
Teil 1

Die vergessene Suche nach dem verlorenen Gral                                        zurück zur Übersicht

von Gerhard Schobel Singer

Einleitung

Wenn wir uns in unserer heutigen Gesellschaft umhören, so ist das Thema Sucht in aller Munde. Das war auch schon früher so, wir brauchen uns dazu nur kurz überlegen, wieviele Worte in unserem allgemeinen Sprachgebrauch das Wort Sucht oder Zwang (beide kommen aus dem gleichen Wortstamm) beinhalten. Was neu erscheint ist die politische Brisanz dieses Themas. Wobei ich dazu weiter unten aufzeigen werde, dass diese Brisanz so neu auch nicht ist. Die Geschichte wiederholt sich wie schon viele Male.

Es gibt sehr viele Menschen, die sich zu SuchtarbeiterInnen, zur Suchtfachfrau, zum Suchtfachmann berufen fühlen. PolitikerInnen propagieren lautstark die kontroversesten Programm, von totaler Restriktion bis zur Liberalisierung bzw. diversifizierter Obiatabgabe. Überall geschieht dies aus dem Tenor heraus, dass man diesen armen Menschen helfen muss oder dass man akzeptieren muss, dass Süchtige Drogen nehmen wollen. (Ein interessanter 'sozialer' Gedanke, der sich noch weiter ausbauen liesse.) All diese engagierten Menschen arbeiten unbestritten mit sehr viel Einsatz und ihre Initiative kommt sicher aus einem tiefen Mitgefühl für die Not dieser Menschen oder auch ihrer eigenen Not im Umgang mit ihrer Sucht. Ihrer Sucht? Wer fragt Fachleute, HelferInnen und PolitikerInnen nach ihrer Sucht? Wer ist wirklich bereit, sich in die eigenen Tiefen der eigenen Sucht und Not einzulassen und Wege daraus herauszusuchen? Die Arbeit mit Süchtigen und die Projektion nach aussen ist da sehr viel rascher gemacht und auch sehr viel einfacher. Sicherlich, da gibt es ein paar Lippenbekenntnisse in Bezug auf die eigene Sucht. Man trinkt ja auch Kaffee, raucht Tabak oder trinkt Alkohol. Man steht im derzeitigen Trend, wenn man auch offen und unverblümt ein wenig zu seiner Arbeitssucht steht. Die erfreut sich hoher sozialer Akzeptanz, man weiss ja dadurch durchaus auch um die Bedeutung von Sucht und bekennt sich schuldig. Weiss man das wirklich? Ist dies nicht einfache eine ganz schlimme Suchtverwässerungstaktik? Geschieht diese Informiertheit nicht in der gleichen Weise wie wir informiert sind über die Umweltverschmutzung und gleichzeitig seelenruhig mit dem Auto zur Arbeit fahren, weil wir auf dem Land wohnen und die Verbindungen zum Arbeitsplatz in der Stadt so schlecht sind oder aber wir im gleichen Atemzug von unseren letzten Ferien irgenwo am Meer erzählen. Wir wissen. Wir sind informiert. Wir trennen unseren Abfall zu Hause fein säuberlich.

Diese Informiertheit und diese heitere, gelassene Verwässerung von Begriffen wir Umweltverschmutzung oder Sucht haben einen gefährlichen Charakter. Wir verschliessen dabei unser Herz oder vergessen es überhaupt zu öffnen. Wir vergessen unserem Herzen wirklich zuzuhören und uns die Zeit dafür zu nehmen.

In dieser von Überaktivität gekennzeichneten Zeit, die einen nicht unwesentlichen Teil zur heutigen Suchtthematik beiträgt, werden die Suchtdynamiken und die Suchtverhaltenweisen all dieser selbst-ernannten Suchtfachleute und dazu berufenen PolitikerInnen nicht oder nur wenig beobachtet, ge-schweige den aus eigener Betroffenheit hinterfragt.. In diesen Forderungen und Postulaten schwin-gen heftige Töne mitten drinnen. Es wird davon gesprochen, mehr gegen Sucht zu tun und es werden Vorschläge gemacht, die Prävention zu verstärken. Ganz im nebenbei werden noch eine Unmenge alter Moralvorstellungen in gut gemeinten Ratsschlägen mitgeliefert. Das ist, um in einer Analogie zu sprechen, in etwa das Gleiche, wie wenn die Chemieindustrie erklären würde, dass sie ab sofort giftfrei werde, aufhöre die Rohstoffe unserer Erde auszubeuten und gleichzeitig verspricht, den Wohlstand unserer Gesellschaft zu fördern. Wir brauchen dafür nur noch ein paar Dinge erfüllen. Aber die sind ja auch nicht sonderlich schwer oder?

Wir brauchen:

- eine legalisierte, diversifizierte Opiatabgabe
- ärztliche Einrichtungen, die diese Abgabe kontollieren (die volksmundliche Vergleich der Ärzteschaft mit der Mafia, mit mafiaähnlichen Methoden - aufgrund ihres Kartellgebahrens - bekommt hier einen ganz neuen Akzent)
- mehr Therapieeinrichtungen
- mehr Prävention und Aufklärung (über was weiss ich nicht genau)
- heile Familien
- intakte Ehen
- Mütter und Väter, die mehr auf ihre Kinder hören
- Eltern die bereit sind Konflikte mit ihren Kindern auszutragen und ihnen dabei auch konfliktfähigkeit vermitteln
- Schulen/LehrerInnen die ihre SchülerInnen ernst nehmen und mit ihnen neue Konfliktansätze ausprobieren
- Schulen mit Blockunterricht
- Tagesheime
- Ganztagesklassen
- Kinderhorte
- eine grössere Toleranz füreinander
- mehr Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche
- weniger Stress
- intakte Arbeitsplätze und genügend Ausbildungsstätten für Jugendliche
- geschützte Ausbildungeinrichtungen für Süchtige
- verbilligten Wohnraum für Schwerstabhängige
Die Liste könnte noch weit fortgeführt werden. Jede/r tritt ganz kräftig auf seine eigene Mühle und verpackt eigene Bedürfnisse in Präventionsvorschläge. Doch was heissen den diese Forderungen wirklich? Wird hier nicht hauptsächlich auf der Symptomebene gearbeitet? Eines der Wesensmerk-male der Sucht ist die konstante Dosissteigerung? Die rasche Gewöhnung an die neue Dosis und die nächste Steigerung. Ein anderes typisches Suchtverhalten ist auch eine konstante Verkennung der Realität und eine Verweigerung der Anerkennung derselben. Diese drückt sich z.B. häufig in einer "wenn"-Formulierung aus. ("Wenn ich lange genug ausharre, wirds besser." "Wenn ich mich nur stark genug anstrenge ..." "Wenn wir die Legalisierung erreicht haben .." "Wenn wir mehr Prävention machen könnten ....." "Wenn ich die Sucht in den Griff bekomme, dann ...." ????)

Doch um was geht es wirklich in der Sucht?

Lässt sich diese Frage so einfach in ein paar geschriebenen Seiten beantworten? Ich glaube nicht. Aber möglicherweise gelingt mir eine Anregung zu einer anderen, differenzierteren Betrachtungs-weise.

Klassische Definition der Sucht

In der heutigen Suchtarbeit werden auf verschiedene Grundlagen-Modelle zurückgegriffen. Diese orientieren sich primär an medizinischen und sozialwissenschaftlichen Theorien. Demnach weist Sucht eine sehr vielschichtige Entstehungsursache auf und kann verstanden werden als:
- abweichendes Verhalten
- als Erkrankung auf körperlicher (somatischer Ansatz) und/oder
- als Erkrankung auf psychischer Ebene (analytischer Ansatz)
- als soziologische Systemerkrankung (Familie, Partnerschaft, Arbeitsplatz, Freundeskreis,
Gesellschaft, kulturelle und politische Strukturen)
- als biopsychologische Entwicklungskrise

Der Gebrauch der Drogen wird als Selbstregulationsmechanismus zur Herstellung des homöostatischen Gleichgewichts verstanden.

Doch ist dies wirklich schon alles? Sind die obigen Erklärungen, die uns im Zusammenhang mit Sucht gegeben werden nicht etwas einfach? Hat das Thema Sucht nicht auch noch mit etwas grundlegenderem in unserer Gesellschaft zu tun? Ich glaube schon, und ich möchte dies mit Ihnen liebe Leserin, lieber Leser etwas ausführlicher betrachten.

Geschichtlicher Hintergrund

Seit jeher haben die Menschen in den unterschiedlichsten Kulturschichten Drogen eingenommen und waren süchtig. Ich möchte nur daran erinnern, das Cannabis wahrscheinlich schon vor 6000 Jahren aus dem heutigen Afghanistan nach China gebracht wurde. Dabei fand es sowohl als Heilmittel, als auch als "Such"(t)-mittel" Gebrauch. Opium kennen wir aus den ältesten Aufzeichnungen 5000 vor Christus bei den Sumerer und Noah wird in der Kölner Bibel als erster Weinbauer beschrieben.

In allen uns bekannten Kulturen hatten die Rausch- und Genussmittel immer auch eine kultische Bedeutung. (z.B. das Abendmahl in der christlichen Kirche wird mit Wein gefeiert). Was also gemessen an der Geschichte der Drogen heute neu ist, ist allenfalls die Sichtweise. Jedoch nur in Bezug des Verlusts der Erkenntnis über die ritualisierte Bedeutung der Drogen. Diesem Aspekt wird heute kaum mehr Beachtung geschenkt. Die Hauptaufmerksamkeit liegt auf dem medizinischen, versorgungstechnischen Charakter und es wird alles getan, um die Süchtigen zu einer sozialen Integration zurückzuführen, dessen Sichtweise gerade zur Sucht geführt hat und die sich für den Verlust der Seele und der Spiritualität verantwortlich zeichnen. Es werden Wege der Restriktion oder der Legalisierung gesucht, die schädlichen Auswirkungen der Drogen und des Mileus auf die betroffenen Menschen diskutiert, aber wenig auf die tiefere Bedeutung geachtet.

Seit jeher, und auch dies können wir geschichtlich sehen, waren die GebraucherInnen von Drogen unheimlich und wurden politisch verfolgt. Sie fassten sich in Gruppen zusammen und diskutierten politische, soziale und gesellschaftliche Probleme. Dies Gruppen wurden von der herrschenden Gesellschaftsschicht gefürchtet und bis aufs äusserste verfolgt. Dazu ein paar Beispiele: Die Kaffeehäuser und Raucherzirkel galten im alten Europa seit jeher als Versammlunglokale für Abweichler und Radikale, - Bezeichnungen die in den 68er Jahren auch für die Konsumenten von Haschisch verwendet wurden. Der Kaffee wurde einst als das "radikalste Getränk" bezeichnet, und sein Weg war identisch mit dem Aufstieg von Liberalismus und Demokratie.

Da die Versuche zur Eindämmung des Tabakkonsums immer wieder gescheitert waren, versuchten sowohl die Könige Jakob I. und sein Sohn Karl I. von England, die als Tabakgegner berühmt waren, als auch Kardinal Richelieu und König Ludwig XIV. von Frankreich, auf dem Besteuerungswege aus dieser Situation Kapital zu schlagen. Im gleichen Jahr, 1604, als er seine Kampfschrift gegen den Tabak veröffentlichte, erhöhte Jakob I. die Importsteuer um 400 %. Das verhinderte den Tabakkonsum keineswegs, im Gegenteil: der Import stieg, der illegale Schmuggel nahm zu, die Zahl der Tabakläden in London vermehrte sich. Auch die Kaffeeschnüffler Friedrich des Grossen vermochten den Konsum von Kaffee im alten Preussen nicht einzudämmen. Schliesslich wuchs daraus ein einträgliches Monopol der Krone. Ganz ähnlich verliefen die Dinge in Frankreich, wo Ludwig XIV., der selbst den Tabakgenuss hasste, schliesslich seine Kriege unter anderem mit dem Tabakmonopol finanzierte.

In den damaligen Zeiten war die Diskussion über Kaffee-, Alkohol- und Tabakgenuss und wenig später über Tee und Kakao in keiner Weise schwächer als heute angesichts anderer psychoaktiver Drogen wie Opium, Morphium, Heroin, Kokain, LSD, Cannabis usw. Dabei ist wichtig zu bedenken, dass die ursprüngliche Ablehnung von Tabak und Kaffee in politischen, sozialen und ökonomischen Problemen ihre Wurzeln hatte. An diesem Grundmuster hat sich bis heute nichts geändert. Weiter können wir sehen, dass schon damals die aus der anwachsenden Drogenindustrie erzielbaren ökonomischen Vorteile für die Legitimierung und Verbreitung des Drogenkonsums eine wichtige Rolle spielten.

Auch Opium war bis in unser Jahrhundert eine gern gebrauchte Medizin. Der Basler Arzt Paracelsus hatte sie im Jahr 1525 als Laudanum (Opiumtinktur mit Wacholderbeeren und Gewürznelken gemischt) in die medizinische Praxis zurückgebracht. Sie war schon bei den Griechen gern benutzt und als Teriak bekannt. Das Laudanum wurde als Allheilmittel eingesetzt und fehlte in keiner Hausapotheke.

Um das Jahr 1800 war Opium in Europa so weit verbreitet und von allgemeinem Interesse, dass in nahezu allen europäischen Nationen Forschungen auf diesem Gebiet getätig wurden. Ca. 1805 entdeckte der deutsche Chemiker Friedrich W.A. Sertürner das aus dem Rohopium gewonnene Morphium, benannt nach Morpheus, dem griechischen Gott des Schlafes.

1803 führte die British East Indian Company, die sich die Vorherrschaft im Opiumhandel gesichert hatte, in Indien das Opiummonopol mit der modern anmutenden Begründung ein, dass "auf diese Weise der Missbrauch der Medizin am besten verhindert werden könne". Zwei Sätze später heisst es allerdings: "Auf diese Weise wird uns ausserdem eine noch unschätzbare Einnahmequelle erschlossen". Die British East Indian Company liess in Indien Opium von hoher Qualität anbauen und verkaufte dieses in China um im Gegengeschäft Tee einzukaufen, welches sich in England einer grossen Nachfrage erfreute. 1839 bis 1842 war der erste Opiumkrieg in China indem die Britische Krone durchsetzte, dass sie weiterhin Handel mit Opium in China betreiben konnten und das zuvor erlassene kaiserliche Verbot zum Opiumrauchen aufgehoben wurde.

Trotz dem Versuch England's den Opiumgebrauch im eigenen Land möglichst klein zu halten, tat sie alles, um den riesigen Handel und die damit verbundenen versteckten und offenen Staatseinnahmen zu fördern. (Dies ist in der Weltpolitik auch heute noch eine gern verwendete Methode um sich für Waffen und Kriege Geld zu beschaffen. z.B. Amerika/CIA) In Europa führten vorallem auch die vielen Kriege zu einem ansteigenden Opium- und Morphiumkonsum.

1889 wurde von der Pharmafabrik Bayer ein neues Medikament mit dem Namen Heroin als Wundermittel auf den Markt gebracht. Als besonders hervorstechendes Merkmal wurde hervorgehoben, dass Heroin ein nicht-süchtig-machendes Medikament für den Morphium- oder Opiumentzug wäre und das es ein wirksames Mittel zur Beruhigung bei Husten ist.

Mit dem Eintritt in das zwanzigste Jahrhundert veränderte sich unter dem Diktat der US-Admini

stration nach und nach die internationale Drogenpolitik. Bereits 1901 verboten die USA weitere Opiumtransporte. Theodor Roosvelt meinte: "Mit Aktionen gegen den Opiumhandel verbessern wir unsere Position in Asien in zweifacher Hinsicht. Die darunter Leidenden werden unsere natürlichen Verbündeten, und wir schwächen ausserdem die Ökonomie der Kolonialmächte!"

So liessen sich die Beispiele der unglückseligen Kombinationen von Sucht und Politik noch endlos fortsetzen um aufzuzeigen, dass Politik und die jeweiligen Suchtdefinitionen und die daraus folgenden Konsequenzen eng zusammenhängen, doch das würde bei weitem den Rahmen dieses Artikel's sprengen

Sucht und Entwicklung

Wie schon weiter oben darauf hingewiesen wurde, kann die Sucht im Zusammenhang mit ihrer Entstehungsgeschichte aus der analytischen Sichtweise, als Defizitskompensation unbewusster frühkindlicher Beziehungsstörungen betrachtet werden. Freud selbst hat ausser seiner Formulierung, dass Masturbation als Urform der Sucht anzusehen ist und alle anderen Abhängigkeiten eine Art Ersatz dafür seien, keine wesentlichen Ausführungen über das Abhängigkeitsphänomen gemacht. Wie sollte er auch, da er ja selbst hochgradig Kokainabhängig war und sehr viel Mühe hatte, seine Sucht in den Griff zu bekommen. Aufbauend auf dem Freud'schen Konzept der infantilen Beziehung und der Regression, sind Drogenabhängige narzisstisch gestörte, oral fixierte Individuen. In der Unfähigkeit, sich mit der Erwachsenenrolle auseinanderzusetzen, regredieren sie auf einen narzisstischen Zustand, in welchem Drogen dazu dienen, eine tiefe Selbsteinschätzung und negative Affekte zu überbrücken. Nun könnten hierbei einige Kritikpunkte angemerkt werden, doch möchte ich dies, zur Eingrenzung des Artikel's, unterlassen.

In der Existentiellen Theorie beschreibt Greaves (1974) Sucht als eine Folge die ausgehend von einer gestörten sexuellen Beziehungsfähigkeit (Frigidität, Impotenz), zu einer Unfähigkeit führt, mit eigenen Mitteln einen euphorischen Zustand zu schaffen (Unfähigkeit bzw. Verlust der Fähigkeit zum Spiel, Mangel an Kreativität und Spontanität) welches im weiteren in einen fehlenden Bezug somatischen Feedback's über lustvolle sensorische Erfahrungen mündet. Dies führt zu Dysphorie, mangelnder Lebensperspektive und existentieller Leere.

In einem weiteren Bereich lassen sich Sucht als abweichendes Verhalten, als Konditionierungsprozess und als Verhaltensantwort auf traumatische Lebensereignisse sehen. Wir können es auch als sozialer Lern- und Anpassungsprozess bzw. dessen Opposit der Verweigerung verstehen. (Verbesserung des beeinträchtigten Selbstbildes, da trotz des gesellschaftlich negativ bewerteten Konsum's, dieser eine vom Konsumierenden positiv bewertete Alternative zum gesellschaftskonformen Verhalten darstellt.)

Meine Sichtweise

Als Menschen erfahren wir unser Leben geleitet durch verschiedene Triebe. Dabei meine ich nicht nur den Überlebenstrieb oder den Sexualtrieb, sondern vorallem den Wachstumstrieb. Diesen Trieb nach Wachstum können wir auf der körperlichen, fühlenden, denkenden (rationalen) Ebene erkennen, aber auch auf der transpersonalen, sozialen und spirituellen. In jeder dieser Ebenen können Ursachen für die Suchtproblematik zu finden sein. Oftmals betrifft die Störung auch mehrere Ebenen gleichzeitig.

Dieser Entwicklungsdynamik entsprechend, entsteht Sucht in verschiedensten Altersstufen und stellt zumeist eine verweigerte oder unterdrückte Situation inneren Wachstums dar.

Wenn wir uns also mit Suchtsymptomen und -dynamiken auseinandersetzen, so bedeutet dies eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Person und den darin erfolgten, bzw. nicht-erfolgten Schritten inneren Wachstums.

In der therapeutischen oder begleitenden Arbeit bedeutet dies eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Bereichen des Körpers, der Gefühle und Emotionen, des Verstandes, der Soziätät, des Transpersonalen und Spirituellen.

Hierbei geht es um die Aufdeckung von Gefühlen und/oder Erfahrungen der Fremdheit in oben genannten Bereichen und der Leugnung dessen, genauso wie der Leugnung der Sucht überhaupt. (Die nicht aufgedeckte Leugnung des Suchtverhaltens stellt ein nicht zu unterschätzendes Widerstandspotential dar. Erst durch das Eingeständnis der eigenen Süchtigkeit kann es zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit kommen.)

Als ein wesentlicher Teil der "Selbst"-findung stellt sich die Wiederherstellung des inneren und äusseren ökologischen Gleichgewichts und des Zugangs zu einer eigenen Spiritualität, sowie die Schulung und Entfaltung des Willens als Schlüssel zur Wiederentdeckung der eigenen Kraft und des eigenen Potentials, dar.

Eine ausführlichere Beschreibung des oben erwähnten und der psychosynthetischen Arbeit erscheint als Teil 2 in der nächsten Ausgabe der Psychosynthese-News.

"Der Drogenkonsument verändert seine innere Wirklichkeit bei gleichbleibender äusserer Wirklichkeit, das Kind behält seine Innenwirklichkeit und verändert in der Phantasie seine Aussenwirklichkeit."