Lebenslust - mit Freude gesund und alt werden

„Wer Freude fühlt, muss nichts mehr begehren, weil er das in sich hat, was das Kostbarste ist – das Glück, sich als freudigen Menschen zu erfahren.“ Dieter Boers, Glückscode

Lebenslust. Ist das nicht der Wunsch oder die Sehnsucht von uns allen? Spüren wir nicht alle, dass wir tief in uns nach wirklichem Leben dürsten?

„Wer Freude fühlt, muss nichts mehr begehren, weil er das in sich hat, was das Kostbarste ist – das Glück, sich als freudigen Menschen zu erfahren.“ Dieter Boers, Glückscode

Lebenslust. Ist das nicht der Wunsch oder die Sehnsucht von uns allen? Spüren wir nicht alle, dass wir tief in uns nach wirklichem Leben dürsten?

Was ist diese Lebenslust? Wonach dürstet es uns wirklich?

Lebenslust ist die Sehnsucht des „höheren Selbst“ oder der inneren Weisheit nach Bewusstwerdung und Ganzheit. Es ist der Wunsch, ganz in das Leben einzutauchen und sich selbst mit all seinen Fähigkeiten und Talenten zu verwirklichen. Es ist die Sehnsucht oder der Durst nach unserem „wirklichen Leben“, welches weit über die Bedürfnisse der Persönlichkeit und des Individuums hinausgeht und uns zu einem einzigartigen und wichtigen Teil der Schöpfung macht.

Als die ersten Europäer auf Hawaii begannen Firmen aufzubauen, hatten sie anfänglich grosse Probleme mit der Arbeitshaltung der Menschen dort. Die Hawaiianer kannten keinen Arbeitstag in unserem Sinne, der von 8-17 Uhr geht. Sie machten ihre Arbeit, das was getan werden musste oder was man ihnen aufgetragen hatte und gingen anschliessend auf dem direkten Weg zum Strand, um mit ihren Familien und Freunden zu sein und zu feiern. Für sie war das Leben, trotz aller Entbehrungen, „ein Fest“. Es war dazu da, mit all den anderen Menschen zu feiern und glücklich zu sein. Diese Grundhaltung drückt sich auch in einem ihrer geistig-spirituellen Prinzipien aus, dem Aloha-Spirit. Der Aloha-Spirit fordert uns auf, glücklich zu sein mit dem was ist, bzw. unseren Fokus auf das Gute und Schöne zu lenken.

Nun werden Sie liebe Leserin, lieber Leser vielleicht einwenden, dass dies doch nicht geht, weil es ja das „Böse“ gibt. Nun, die Hawaiianer haben das „Böse“ nicht geleugnet, sondern oft anders gewertet. Sie haben nicht gesagt: „Das ist schlecht“, sondern: „Ich kann mit dieser Energie noch nicht umgehen.“ Das bringt automatisch mit sich, dass ich nicht mehr dagegen ankämpfen muss, sondern darauf vertrauen kann, dass ich, zu gegebener Zeit, lernen werde, damit umzugehen. Sie gingen davon aus, dass alles in dieser Welt danach strebt, glücklich zu sein und seinen Beitrag dazu zu leisten.

Eine ähnliche Haltung, kennen wir auch in unserem Kulturkreis aus der modernen Psychologie. Die positive Psychologie hat in den letzten Jahren den Begriff des „Flourishing“ eingeführt, der betont, dass es wichtig ist, dass die positiven Gefühle die negativen Gefühle im Verhältnis 3:1 überwiegen um glücklich zu sein. Die Psychosynthese, eine Anfang des letzten Jahrhunderts gegründete transpersonale Psychologierichtung, vertritt zwar nicht die gleiche Ansicht, hat aber schon sehr früh betont, dass das Universum und alles Lebendige nach Bewusstwerdung, Entwicklung und einer grösseren Einheit streben. Sie versteht das „Böse“ als eine Verzerrung von transpersonalen Eigenschaften, die geschult und entwickelt werden wollen.

Der Verlust von Lebenslust und das Gefühl der inneren Leere machen uns bewusst, dass wir uns selbst verraten haben und es Zeit ist, uns wieder auf die Suche nach unserer wahren Bestimmung zu machen. Wenn wir diesem Aufruf zur Suche nicht folgen wollen, erfahren wir häufig Krankheit, Krisen und Tod. Wenngleich vielleicht nicht auf der körperlichen, so doch auf der psychologischen und geistigen Ebene. Das Optimistische daran ist, dass wir nicht krank oder tot bleiben müssen, sondern jederzeit die Möglichkeit haben, uns durch die bewusste Entscheidung „hin zum Leben“ wieder in den Fluss des „grösseren Ganzen“ hineingeben und gesund werden können.

Je mehr wir uns wieder dem Positiven, dem Glück und der Freude zuwenden, nicht im Sinne von dem was uns fehlt, sondern im Sinne von „anerkennen dessen was ist“ wie es uns die alten Hawaiianer vorgelebt haben, haben wir die Möglichkeit Lebenslust wieder ganz tief in uns zu erfahren. So hilft sie uns zunehmend bewusster, wacher und aufmerksamer zu werden und erfüllt uns mit Dankbarkeit und Freude über die unglaubliche Vielfalt und Schönheit der Schöpfung – einschliesslich uns selbst.

Lebenslust öffnet uns für unsere Mitwelt und lässt uns unsere Entscheidungen in einem grösseren Zusammenhang erkennen. Manche von uns nennen das Altersweisheit.

 

Autor: (C) Gerhard Schobel
Institutsleiter aeon
Coach, Trainer, psychosozialer Berater