Woher kommt Psychosynthese?
Die Psychosynthese hat ihre Wurzeln in der klassischen Psychoanalyse.
Ihr Begründer, Dr. Roberto Assagioli (1888–1974), war Arzt für Neurologie und Psychiatrie. Nach seiner Promotion arbeitete er bei Eugen Bleuler in der Psychiatrie Burghölzli in Zürich – dort lernte er auch C. G. Jung kennen. Als Mitglied der Freud-Gesellschaft in Zürich gehörte er zu den ersten, die die Psychoanalyse nach Italien brachten.
Von der Psychoanalyse zur Psychosynthese
Schon bald ging Assagioli über die freudschen Modelle hinaus.
Er war überzeugt, dass psychische Heilung nicht allein im Aufarbeiten von Kindheitstraumata liegt, sondern auch in der Entfaltung höherer Potenziale des Menschen – jenseits der Pathologie.
Beeinflusst von Raja Yoga (Geistesschulung und Meditation), Karma Yoga (Handeln und Wille) und inspiriert von spirituellen Strömungen wie Buddhismus, Kabbala und christlicher Mystik, entwickelte er eine Psychologie, die den ganzen Menschen umfasst: Körper, Geist, Seele und das Transpersonale.
Das Selbst im Zentrum
Was Assagioli von vielen Zeitgenossen unterschied, war sein fester Glaube an die Existenz des Selbst – eine innere, unverlierbare Mitte.
Seine Methoden zielten darauf, Menschen zu helfen, dieses wahre Wesen zu entdecken und zu leben. Psychotherapie sollte nicht nur Leiden heilen, sondern auch Entwicklung und Selbstverwirklichung ermöglichen.
Psychosynthese in der Psychologiegeschichte
Historisch war die Psychosynthese zunächst eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse Freuds und der Analytischen Psychologie Jungs.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg etablierte sie sich als eine der ersten Schulen der humanistischen Psychologie.
In den 1960er Jahren arbeitete Assagioli mit Kollegen wie Abraham Maslow und Viktor Frankl daran, die Psychologie um eine neue Dimension zu erweitern. Daraus entstand die Transpersonale Psychologie, mit dem Ziel, Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie und humanistische Ansätze sinnvoll zu verbinden.
Die Psychosynthese gilt bis heute als eine der umfassendsten Schulen innerhalb der Transpersonalen Psychologie – weil sie das Persönliche mit dem Überpersönlichen verbindet.

Zusammenfassend drückt sich Assagiolis Anliegen in folgendem Zitat aus:
«Wir alle stehen in Verbindung miteinander, nicht nur sozial und auf körperlicher Ebene, sondern auch über den Strom unserer Gedanken und Emotionen, die einander durchdringen …. Verantwortungsgefühl, Verständnis, Mitgefühl, Liebe, Nicht-Verletzen – das sind die wahren Glieder der Kette, die uns verbindet, und sie müssen in unseren Herzen geschmiedet werden»
Dr. Roberto Assagioli (1888-1974)









