Feedback geben

Am vergangenen Wochenende hat mich eine Teilnehmerin auf etwas aufmerksam gemacht, das mich nachdenklich gemacht hat. Sie sagte mir, dass ich manchmal kein Feedback gebe.

Im ersten Moment war ich überrascht. Denn eigentlich erlebe ich mich eher als jemanden, der Dinge anspricht. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr musste ich ihr recht geben.

Feedback geben gehört für mich bis heute zu den anspruchsvollsten Dingen überhaupt. Manchmal bin ich zu direkt. Manchmal zu ungeduldig. Und manchmal gebe ich ein wichtiges Feedback gar nicht.

Wie geht das zusammen?

Ich glaube, es hat mit meiner Art zu tun, Menschen wahrzunehmen. Wenn ich Menschen begleite, sehe ich oft ihr Potenzial. Ich sehe Möglichkeiten. Ich sehe Entwicklungsschritte, die noch vor ihnen liegen. Das ist eine grosse Ressource in meiner Arbeit. Und gleichzeitig kann genau das zur Falle werden.

Manchmal werde ich ungeduldig, wenn jemand etwas noch nicht versteht, das für mich offensichtlich erscheint. Gerade in Coaching-Ausbildungen. Wenn nicht wirklich zugehört wird. Wenn vorschnell interpretiert wird. Wenn die Essenz eines Gesprächs verloren geht. Dann merke ich, wie etwas in mir denkt: «Das müsstest du doch sehen.» Dabei vergesse ich manchmal, dass das, was für mich nach vielen Jahren Erfahrung selbstverständlich geworden ist, für andere noch neu ist.

Und manchmal passiert das Gegenteil. Ich nehme etwas wahr, das ich ansprechen sollte, tue es aber nicht. Vielleicht, weil ich den Moment nicht stören möchte. Vielleicht, weil ich niemanden verletzen möchte. Vielleicht, weil ich denke, dass es sich von selbst klärt. Doch nicht gegebenes Feedback verschwindet selten einfach. Es bleibt im Raum. Und manchmal taucht es Wochen später wieder auf.

Ich habe gelernt, dass Feedback nicht nur Klarheit braucht, sondern auch Timing. Zu hart hilft nicht. Zu spät oft auch nicht. Wahrscheinlich besteht die Kunst darin, beides miteinander zu verbinden: Klarheit und Wohlwollen. Direktheit und Geduld. Und vermutlich werde ich genau darin auch in Zukunft weiterlernen.

Denn Entwicklung hört nicht auf, nur weil man selber zur Lehrperson geworden ist.

Feedback geben

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