Meine Zeit in der Stille
Tage in der Stille – und plötzlich wird das Wesentliche wieder hörbar
Vor einer Woche durfte ich fünf Tage im europäischen Zentrum von Art of Living im Schwarzwald verbringen. Die Organisation wurde von Sri Sri Ravi Shankar gegründet und setzt sich weltweit für innere Entwicklung, Frieden und Menschlichkeit ein. Schon lange wollte ich dieses Retreat erleben – und es hat mich auf eine Weise berührt, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Als ich ankam, war ich überzeugt, dass wir zwanzig oder dreissig Teilnehmende sein würden. Umso überraschter war ich, als wir nur sechs Menschen waren. Da wir am ersten Tag noch sprechen konnten, entstand sehr schnell eine Verbundenheit. Es war eine kleine, unglaublich wertschätzende Gruppe, die das Schweigen in den darauffolgenden Tagen auf eine ganz besondere Weise getragen hat. Intim, unterstützend und gleichzeitig voller gegenseitigem Respekt.
Die nächsten dreieinhalb Tage verbrachten wir im Schweigen.
Kein Handy. Keine Nachrichten. Keine Bücher. Keine Musik. Kein Schreiben. Einfach Stille.
Unser Alltag war geprägt von Meditationen, Yoga, Yoga Nidra und der Sudarshan Kriya, einer besonderen Atemtechnik aus der Art of Living-Tradition. Sie ist weit mehr als ein paar bewusste Atemzüge und hat mich nachhaltig beeindruckt. Ergänzt wurde das Programm durch täglich eine halbe Stunde Karma Yoga, einen selbstlosen Dienst für die Gemeinschaft. Bei mir hiess das ganz bodenständig: Den Esszimmerboden nass aufziehen 😊.
Jeden Nachmittag standen uns zudem rund drei Stunden zur freien Verfügung. Zeit, um durch den wunderschönen Schwarzwald zu spazieren, die Natur zu geniessen oder einfach nichts zu tun – etwas, das wir im Alltag viel zu selten bewusst zulassen.
Und dann war da noch das Essen. Ich esse für mein Leben gerne und ich habe mich tatsächlich jeden Tag auf die Mahlzeiten gefreut. Die vegetarische Küche war so frisch, abwechslungsreich und mit so viel Liebe zubereitet, dass ich mir manchmal gewünscht hätte, darin baden zu können.
Es waren keine spektakulären Programmpunkte. Und gerade darin lag ihre Kraft. Die Kombination aus Stille, Bewegung, Atmung, Natur und dem einfachen Sein hat bei mir mehr bewirkt, als ich erwartet hätte.
Mit jedem Tag wurde ich ruhiger. Nicht, weil plötzlich keine Gedanken mehr da waren, sondern weil ich ihnen nicht mehr ständig folgen musste.
Besonders berührt haben mich auch die Weisheiten, die uns mitgegeben wurden. Einige davon haben mich tief nachdenklich gemacht. Nicht im Sinne von «Ich muss mich verändern», sondern vielmehr mit der Frage: Wie möchte ich leben? Wo kann ich noch bewusster, liebevoller und freier werden?
Gerade diese Fragen begleiten mich auch nach dem Retreat weiter.
In meiner Arbeit begegne ich vielen Menschen, die sich nach mehr Ruhe, Klarheit oder Sinn sehnen. Oft suchen wir Antworten im Aussen. Auch ich kenne das. Dieses Retreat hat mich jedoch wieder einmal daran erinnert, dass die wichtigsten Antworten meist schon in uns vorhanden sind. Sie werden nur vom Lärm des Alltags überdeckt.
Für mich war diese Zeit im Schwarzwald deshalb weit mehr als ein Schweigeretreat. Sie war eine Erinnerung daran, wie wohltuend Einfachheit sein kann. Wie nährend echte Präsenz ist. Und wie viel Kraft darin liegt, für einige Tage ganz bewusst aus dem gewohnten Rhythmus auszusteigen.
Ich bin mit grosser Dankbarkeit nach Hause zurückgekehrt. Nicht, weil sich mein Leben in vier Tagen verändert hätte. Sondern weil ich wieder etwas klarer sehe, worauf es mir wirklich ankommt.
Meine Zeit in der Stille









