Wenn das innere Kind tobt
Wahrscheinlich kennen wir dieses Gefühl alle: Da sitzt man ganz erwachsen am Tisch und plötzlich stampft innerlich jemand mit dem Fuss, verschränkt die Arme und ruft: „So nicht!“ Das ist der Moment, in dem unser inneres Kind tobt, trotzt, hässig wird und sich so gar nicht mehr beruhigen will.
Ich kenne das gut. Zum Glück dauert das Drama heute nicht mehr stundenlang wie früher – eher ein paar Minuten. Aber ja, es kann immer noch ordentlich Dampf machen.
Und weisst du was? Das ist gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Wenn das innere Kind tobt, will es uns etwas sagen. Es möchte gesehen und gehört werden. So wie damals, als wir klein waren. Schwierig wird es erst, wenn es gar nicht mehr zur Ruhe findet und wir uns völlig von diesem inneren Aufruhr überrollen lassen.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Haben wirklich alle ein inneres Kind – oder nur die etwas „spezielleren“ unter uns? Die Antwort ist einfach: Wir alle haben eins. Und wenn wir lernen, ihm zuzuhören, kann es vom launischen Quengelgeist zum besten Freund werden.
Das innere Kind ist kein mystisches Wesen, das irgendwo in uns versteckt lebt – es ist der Teil in uns, der sich an unsere Kindheit erinnert. An unsere Freude, unsere Neugier, aber auch an unsere Verletzungen und Ängste.
Man könnte sagen: Das innere Kind ist wie ein kleiner Mitbewohner in deinem Herzen.
- Manchmal sitzt es kichernd auf der Schaukel und ruft: „Nochmal! Nochmal!“
- Manchmal zieht es beleidigt die Decke über den Kopf, weil es sich nicht gesehen fühlt.
- Und manchmal schaut es dich mit grossen Augen an und sagt: „Ich trau mich nicht.“
Wir alle tragen es in uns – egal ob wir 8, 38 oder 78 sind. Es zeigt sich, wenn du:
- plötzlich aus vollem Herzen lachst, weil dich etwas an früher erinnert.
- dich verletzt fühlst, obwohl der Anlass klein ist.
- mit Begeisterung etwas Neues ausprobierst, ohne an Perfektion zu denken.
- trotzig wirst, wenn dich jemand kritisiert („Das ist unfair!“).
- Schokolade zum Frühstück isst, weil du es einfach kannst.
Das innere Kind will gesehen, gehört und geliebt werden – genauso wie damals. Wenn wir lernen, freundlich mit ihm umzugehen, passiert Magisches: Wir bekommen wieder Zugang zu echter Lebensfreude, zu unserer Kreativität und zu dieser unerschütterlichen Fähigkeit, einfach wir selbst zu sein.
Hier eine kleine Spassübung, wenn das innere Kind mal wieder nicht so tut, wie du es gerne hättest :-).
Kurz raus aus dem Kopf
Stell dich hin, schüttle Arme und Beine aus – wie ein nasser Hund. Das löst Spannung und bringt dich in den Körper.
Mini-Zeitreise
Schliess kurz die Augen und stell dir vor: Du bist wieder 6, 8 oder 10 Jahre alt. Wo bist du? Vielleicht auf dem Spielplatz, am Meer oder in deinem Kinderzimmer.
Mach etwas Verrücktes
Tu jetzt in echt etwas, was dein inneres Kind sofort zum Lachen bringt:
- Zieh ein Grimassen-Duell mit dir selbst im Spiegel.
- Spring zweimal auf und ab wie auf einem Trampolin.
- Sing laut irgendein Lied, auch wenn du den Text nicht kennst.
Kleine Belohnung
Gönn dir etwas Kleines, das du als Kind geliebt hast – ein Stück Schokolade, barfuss durchs Gras laufen, ein Comic lesen.
Dankeschön geben
Sag deinem inneren Kind: „Danke, dass du mich daran erinnerst, wie man Spass hat.“
Ich wünsche dir viel Spass mit deinem inneren Kind!
Herzlichst, Petra
wenn das innere kind tobt









